Mercedes-Benz 300 SL (W194 / W198)


1952-63

 

Mercedes-Benz 300 SL (W194 / W198) 1952-63 Deutschland
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Mercedes 300 SL (W194)

1952 kehrte Mercedes-Benz in den Rennsport zurück. Und es war ein absolut überzeugender Auftritt! Man hatte in Untertürkheim den 300 SL entwickelt, der im Frühjahr 1952 vorgestellt worden war. Der Wagen war auf geringes Gewicht getrimmt und hatte zu diesem Zweck einen nur 50 Kilogramm leichten Gitterrohrrahmen erhalten. Unter der Haube arbeitete ein 6-Zylinder-Reihenmotor mit drei Litern Hubraum, der um die 220 PS entwickelte. Kurz nach dem Krieg ein schier unglaublicher Wert. Der Wagen wurde in der Folge in verschiedenen Evolutionsstufen bei allen großen Sportwagenrennen eingesetzt und verblüffte sowohl durch seine aerodynamische Form (CW-Wert: 0,25 ohne jemals im Windkanal gewesen zu sein!), als auch durch seine Handlichkeit. Das erstaunlichste Merkmal war allerdings der Einstieg durch seitliche Klappen oberhalb der Gürtellinie. Bei diesen wurde das seitliche Fenster bis weit hinein in das Dach hinein nach oben angehoben.

In dieser Konfiguration trat das Werk am 04.05.1952 bei der Mille Miglia, am 19.11.1952 bei der Carrera Panamericana und drei anderen Sportwagenrennen an. Der Wagen erwies sich sofort als konkurrenzfähig. Die Ausbeute waren vier Siege und ein zweiter Platz. Lediglich das erste Rennen, die italienische Mille Miglia sah einen Ferrari vorn. Bracco sah etwa vier Minuten vor dem Mercedes von Karl Kling das Ziel. Rudolf Caracciola wurde Vierter, Hermann Lang schied mit einer defekten Hinterachse nach nur 220 Kilometern aus.

Am 18. Mai 1952 starteten vier 300 SL beim Sportwagenrennen von Bern-Bremgarten. Am Schluss sahen die Zuschauer drei SL in Front: Es gewann Karl Kling (Startnummer 18) vor Hermann Lang (Startnummer 20) und Fritz Rieß (Startnummer 22). Rudolf Caracciola hatte einen schweren Unfall und landete an einem Baum, was wegen der Folgeverletzungen sein Karriereende bedeutete. Bern-Bremgarten war übrigen das einzige Rennen, in dem drei der vier 300 SL nicht silbern lackiert waren. Caracciolas 300 SL war rot, Klings Dunkelgrün und Hermann Lang fuhr in hellblau.

Am 13./14. Juni fand das wichtigste Rennen des Jahres, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, statt. Die Regelhüter hatten jedoch zunächst Schwierigkeiten mit der unkonventionellen Einstiegsmöglichkeit durch die Dachklappen. Mercedes-Benz fand sich schließlich bereit, die Einstiegsklappen etwas weiter nach unten zu verlegen, so dass diese noch einen Türausschnittt in der Seitenfront freigaben. Die Flügeltüren waren geboren. Im Rennen lief es zunächst nicht so gut. Bis eine Stunde vor Schluss führte der praktisch allein (!) fahrende Franzose Pierre Levégh auf seinem Talbot. Doch das Glück war dem einsamen Streiter nicht hold: Es brach ein Pleuel, was das Aus des Führenden bedeutete. Es siegten schließlich Hermann Lang und Fritz Rieß auf dem 300 SL mit der Startnummer 21 vor Theo Helfrich und Helmut Niedermayr (Startnummer 20). Der dritte SL (Startnummer 22) mit Karl Kling und Hans Klenk am Steuer schied nachts mit einer defekten Lichtmaschine aus. Mercedes-Benz experimentierte übrigens im Training des Rennens mit einer kuriosen "Luftbremse". Es handelte sich um ein großes Blech, welches vom Fahrer manuell beim Bremsen aufgestellt werden konnte und durch den Luftwiderstand den Fahrer wirkungsvoll beim Bremsen unterstützte. Man konnte jedoch die Sicherheit des Gestells nicht garantieren und verzichtete deshalb auf einen Einsatz im Rennen.

Ihr einziges Gastspiel bei einem Rennen im Heimatland gaben vier 300 SL am 03. August 1952 auf dem Nürburgring. Ohne große Konkurrenz wurde ein ungefährdeter Vierfachsieg eingefahren. Es siegte Hermann Lang (Startnummer 21) vor Karl Kling (Nr. 24), Fritz Rieß (Nr. 22) und Theo Helfrich (Nr.23). Auf dem Nürburgring hatte man mit Kompressoren experimentiert, diese Technik wegen der höheren Belastung für die Zylinderkopfdichtungen jedoch wieder verworfen. Dafür starteten alle 300 SL bei diesem Rennen als Spider ohne Dach. Hierdurch konnten die unübersichtlichen Kurven auf der Nordschleife durch den Fahrer besser eingesehen werden.

Die vielleicht härteste Belastungsprobe für Mensch und Material erwartete die Teilnehmer der Carrera Panamericana vom 19. bis 23. Novermber 1952. Wiederum starteten vier 300 SL. Sieger wurde das Duo Karl Kling / Hans Klenk (Startnummer 4), die nicht einmal ein Windschutzscheibenbruch nach einer Begegnung mit einem Geier oder Bussard stoppen konnte. Hermann Lang und Erwin Grupp (Nr. 3) wurden Zweite. John Fitch / Eugen Geiger auf einem 300 SL Spider wurden disqualifiziert, weil sie angeblich bei der vorletzten Etappe die Startlinie rückwärts überfahren hatten. Der zweite verschiffte Spider mit dem Sportredakteur von "auto motor sport" Günther Molter am Steuer, diente lediglich als Ersatzwagen.

1953 erfolgten keine Renneinsätze des 300 SL mehr. Man war vollauf mit der Entwicklung des Serienmodells beschäftigt. Lediglich ein Prototyp für das Rennjahr 1954, der "Hobel" wurde entworfen, wurde aber nicht mehr eingesetzt.

Mercedes 300 SL (W198 I / W198 II)

Zur adäquaten Vermarktung der Rennerfolge des Mercedes 300 SL (W194) fehlte es jedoch an einem geeigneten Serienmodell. Vehement intervenierte daher der Mercedes-Benz-US-Generalimporteur Max Hoffmann beim Daimler-Benz-Vorstand doch ein sportliches Modell anzubieten, welches den Rennwagen möglichst ähnlich sein musste. Dies bedeutete insbesondere, dass die sensationellen, nach oben öffnenden Türen in die Serie einfließen mussten. Der Vorstand kam dem Wunsch schließlich nach und 1954 wurde auf der New Yorker Motor Show die Serienversion des Mercedes 300 SL mit der Typnummer W198 I präsentiert. Das Fahrzeug war tatsächlich eine gelungene Straßenumsetzung des Rennwagens: Man hatte den Gitterrohrrahmen beibehalten, was insbesondere das Gewicht des Wagens mit 1310 Kilogramm im Rahmen hielt, obwohl man diverse Aggregate (Motor, Getriebe, Kraftübertragung, Vorder- und Hinterachse, Lenkung) des Mercedes 300 übernahm. Der Gitterrohrrahmen des 300 SL wog nur 50 Kilogramm und alle Einzelrohre bis auf die Querstreben waren nur entweder auf Zug- oder Druckbeanspruchung ausgelegt. Der Motor war gegenüber dem großen Mercedes 300 natürlich deutlich modifiziert. Die Leistung betrug nun satte 215 PS,was einer Literleistung von 71 PS entsprach. Damals ein absoluter Spitzenwert. Wem das noch nicht reichte, der konnte auch eine so genannte "Sport-Engine" mit etwa 240 PS Leistung wählen. Der 300 SL war mit verschiedenen Hinterachsübersetzungen lieferbar: 3,25:1, 3,42:1, 3,64:1 (die Grundeinstellung), 3,89:1 und 4,11:1. Mit der kürzesten Übersetzung war eine Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h erzielbar.

Die meisten Exemplare des 300 SL gingen übrigens so kurz nach dem zweiten Weltkrieg tatsächlich in die USA, nur etwa 60 Stück blieben in Deutschland.

So sensationell der Flügeltürer (in den USA "Gullwing" genannt) auch war, die meisten Besitzer taten sich mit den unkonventionellen Türen doch schwer. 1957 wurde daher der neue 300 SL präsentiert, der nunmehr als Cabrio mit "normalen" Türen und Kurbelfenstern ausgeführt war. Verkauft wurde dieser als '300 SL Roadster', Typ W198 II. Technisch war der Wagen nicht sehr verändert worden. wenngleich der Gitterrohrrahmen nunmehr etwas niedriger ausgeführt worden war. Zusätzlich zum Faltdach gab es ab 1958 auch ein fein ausgeführtes Hardtop zu erwerben. Ab März 1961 gab es als weitere Option Scheibenbremsen, die der Sicherheit zuträglich waren. Das Konzept gefiel der Kundschaft: Während vom Flügeltürer 1400 Exemplare gebaut wurden, konnten vom Roadster sogar 1858 Stück verkauft werden. Um So erstaunlicher, dass der Nachfolger des 300 SL kein reinrassiger Sportwagen, sondern ein Tourenwagen war.

Natürlich wurde mit dem 300 SL der Baureihe W198 auch Rennsport betrieben. Etliche Kunden setzten beide Versionen bei Rennveranstaltungen aller Art ein.


Mercedes-Benz 300 SL "Mille Miglia" '1952

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Mercedes-Benz 300 SL "Carrera Panamericana" '1952

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Mercedes-Benz 300 SL "Le Mans (22T)" '1952

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Mercedes-Benz 300 SL Rennsport-Prototyp "Hobel" '1953

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Mercedes-Benz 300 SL "Sport-Engine" '1954

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Mercedes-Benz 300 SL '1954

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Mercedes-Benz 300 SL "Aluminium-Coupé" '1954

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Mercedes-Benz 300 SL "König von Jordanien" '1954

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Mercedes-Benz 300 SL "Jackie Stewart" '1954

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Mercedes-Benz 300 SL "Rennsport" '1954

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Mercedes-Benz 300 SL-S '1955

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Mercedes-Benz 300 SL "Mille Miglia Nr.417" '1955

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Mercedes-Benz 300 SL "Carrera Panamericana 1991" '1955

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Mercedes-Benz 300 SL "Fritz Schlumpf" '1955

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Mercedes-Benz 300 SL-S "Porter Special" '1956

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Mercedes-Benz 300 SL Roadster '1957

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Mercedes-Benz 300 SL-R '1957

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Mercedes-Benz 300 SL Roadster "Rudolf Caracciola" '1958

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Mercedes-Benz 300 SL 1:1 Holzmodell '2006

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Internet
verwandte Links
Literatur (faq) Motor Klassik 1/2012, S.16 His
Tuning
 

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